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Eindrücke aus Straelen

Im Verlauf des Studiums sind im Master Literaturübersetzen zwei einwöchige Blockpraktika Übersetzungspraxis vorgesehen, die üblicherweise in Straelen im Europäischen Übersetzerkollegium (EÜK) stattfinden. In diesen Seminaren geht es  um konkrete Übersetzungen, aber auch um Einblicke in die berufliche Praxis. Aufgrund umfassender Baumaßnahmen am EÜK können dieses momentan bedauerlicherweise nicht dort stattfinden, sondern werden in Düsseldorf abgehalten, mal im Haus der Universität, mal auf dem Campus der HHU. Auf dieser Seite bieten wir Einblicke in diese besonders intensiven Veranstaltungen. Studierende aus dem Master verfassen dafür selbst die Berichte:


Blockseminar Übersetzungspraxis mit Franziska Muche (04.09.-08.09.2023)

Bericht von Leah Strunk

Den Erkenntnisprozess spielerisch gestalten – unter diesem Motto fand das Blockseminar Übersetzungspraxis Englisch/Spanisch statt. Anfang September übersetzten, lasen, lektorierten und performten wir Studierende mit Theaterübersetzerin und Schauspielerin Franziska Muche. Da die Räumlichkeiten des EÜK in Straelen noch immer umgebaut werden, verwandelten wir unseren Seminarraum in unsere persönliche Übersetzer- und Theaterwerkstatt und gewannen spielerisch einen neuen Zugang zur Welt der Übersetzungskunst. Da wir im Voraus Texte aus den Bereichen Kurzgeschichte, poetischer Essay, Lyrik sowie Theater übersetzt hatten, bot die Woche eine intensive Gelegenheit, den Blick für eine Bandbreite gattungstypischer Eigenschaften zu schärfen: beispielsweise lieferte die Arbeit mit dem Theatertext Villa von Guillermo Calderón uns neue Erkenntnisse im Bereich der Übertitelung, da diese Aufgabe mitunter ebenfalls zum Theaterübersetzen zählt. Zugleich lernten wir daher nicht nur mit den Besonderheiten eines Theatertextes umzugehen, sondern auch das Kürzen. Durch die Bandbreite an verschiedenen Originalen haben wir uns mit Franziska Methoden erarbeitet, durch die jeder Text erfahrbar und zugänglich gemacht werden kann.

Ein Highlight unserer gemeinsamen Zeit war die Videokonferenz mit der Journalistin und Autorin María Fernanda Ampuero, deren Kurzgeschichte Subasta/Auction wir jeweils aus dem Englischen oder Spanischen ins Deutsche übersetzt haben. Eine Dreiviertelstunde tauchten wir in die Gedankenwelt der Autorin ein und erhielten Antworten, die uns tiefen Einblick in die Beweggründe ihres Schreibens gewährten. Daher war das Gespräch eine einmalige Möglichkeit, den Subtext ihrer Geschichte besser nachvollziehen zu können und so die neugewonnenen Erkenntnisse in unsere Übersetzungen einfließen zu lassen. Eine weitere Besonderheit der Woche war die gemeinsam organisierte Lesung Straelen im Garten. Zur Halbzeit bot der Abend eine tolle Gelegenheit, unsere Übersetzungen zur Reihe A Poem Between Us, einer Ausstellung des slowenischen Künstlers Ištvan Išt Huzjan, in Kooperation mit dem Seminar Englisch/Französisch vorzutragen.

Darüber hinaus machte uns Franziska mit der Arbeitspraxis der Übersetzenden vertraut, so wurde beispielsweise die Präsentation des Eigenprojekts, einer selbst gestalteten Initiativbewerbung, an eine alltagsnahe Szene im Verlag angepasst. Eine Gruppendiskussion mit dem Französisch-Seminar über die Vor- und Nachteile von KI basierten Übersetzungen, ebenfalls angelehnt an eine Verlagssituation, rundete den berufspraktischen Teil ab. Die Kombination aus Textarbeit und praktischer Arbeit erzeugte eine dynamische Atmosphäre, in der wir uns die Übersetzungsprozesse im wahrsten Sinne spielerisch erarbeiteten.


Blockseminar Übersetzungspraxis mit Andreas Jandl (04.09.-08.09.2023)

Bericht von Lena Neisen

Anfang September trafen sich Berufsübersetzer Andreas Jandl und zwölf Studierende des Masterstudiengangs Literaturübersetzen an der HHU, um gemeinsam intensiv zu arbeiten und zu lernen. Da sich das EÜK Straelen im Umbau befindet, holten wir Straelen kurzerhand nach Düsseldorf.

Im Vorfeld des Seminars übersetzten wir ein Theaterstück, einen Romanauszug und einen lyrischen Brief aus dem Englischen oder dem Französischen. Die Texte waren anspruchsvoll, aber lehrreich und spannend. Die Woche begann direkt mit dem schwierigsten Text, einem Auszug aus Anne Carsons antigonick. Neben den üblichen Übersetzungsherausforderungen haben wir uns besonders mit dem Hybridgenre des Textes beschäftigt. Wie übersetzt man einen Text, der keinem Genre klar zuzuordnen ist? Hier war die Wirkungsäquivalenz die größte Herausforderung. Bei der Besprechung von David Homels Homme sur les décombres fielen uns vor allem die Unterschiede zwischen englischem Original und französischer Übersetzung auf, die auch unsere eigenen Übersetzungen beeinflusst haben. Am spannendsten war Michel Bouchards Theaterstück Le voyage du couronnement, das wir nicht nur besprochen, sondern auch in Kleingruppen inszeniert haben.  

Neben den Übersetzungen stand natürlich auch das Berufsbild im Fokus. Arbeitsmittel, Verträge, Verlage und Verbände – über all das haben wir mit Andreas Jandl gesprochen. Er konnte uns dank seiner Erfahrung alle Fragen beantworten und uns noch mehr für den Beruf begeistern. Da dieses Mal das Seminar der Gruppe mit der Sprachkombination Englisch/ Spanisch zeitgleich stattfand, konnten wir mit der anderen Gruppe zusammenarbeiten. Neben gemeinsamen Lektoratsübungen im Zusammenhang mit KI beschäftigten wir uns mit Lyrik und organisierten sogar einen gemeinsamen Lyrikabend. So saßen wir am Mittwochabend – unter dem Motto „Straelen im Garten“ – im Grünen und haben uns Gedichte angehört, uns ausgetauscht und unsere Übersetzungen bewundert. Donnerstagabend besuchte das Seminar gemeinsam den Düsseldorfer Stammtisch der LiteraturübersetzerInnen, bei dem wir in lockerer Runde weitere Einblicke in den Beruf gewinnen konnten.

Die Woche war intensiv, lehrreich und inspirierend. Trotz des heißen Wetters haben wir viel gelernt, hatten Spaß und sind nun einen Schritt weiter in unserem Leben als Übersetzende. Vielen Dank an Andreas Jandl für das tolle Seminar!


Exkursion ins EÜK Straelen (07.07.2023)

Bericht von Niklas Nitsch und Julia Braun

Am 07.07.2023 ging es für sieben Studierende in Begleitung unserer Dozentinnen Frau Gerling, Frau Pirker und Frau Ahrens mit Zug und Bus nach Straelen. Die Tagesexkursion bot uns eine tolle Gelegenheit, das EÜK (Europäisches Übersetzerkollegium) am Niederrhein persönlich kennenzulernen und Informationen zu der Institution vor Ort und von Übersetzenden zu erhalten. „Straelen“ ist für uns Studierende des M.A. Literaturübersetzen so etwas wie eine entfernte, sagenumwobene Oase der translatorischen Eingebungen - wenn sie auch eigentlich um die Ecke ist. Doch da die im Studium angebotenen Blockseminare momentan aufgrund von Renovierungsarbeiten im EÜK leider nicht wie sonst vor Ort abgehalten werden können, erscheint uns das EÜK oft unerreichbar. Umso schöner, dass wir hier nun willkommen geheißen wurden und eine exklusive Führung der Vizepräsidentin Dr. Renate Birkenhauer durch die Gemäuer des Kollegs bekamen. 

Das 1978 von Elmar Tophoven (Übersetzer aus dem Französischen, insb. der Werke von Samuel Beckett) und Klaus Birkenhauer (ehemaliger VLÜ Vorsitzender und verstorbener Ehemann der Vizepräsidentin) gegründete EÜK ist ein international bekannter und angesehener Ort der Zusammenkunft für Übersetzende aus aller Welt mit unterschiedlichsten Ausgangs- und Zielsprachen. Das EÜK bietet den Übersetzenden einen inspirierenden und mit einer unvergleichlichen Bibliothek ausgestatteten Arbeitsraum, der nur so vor Liebe zum übersetzerischen Schaffen sprüht - so auch durch die unvergleichliche Begeisterung unserer herzlichen Gastgeberin Frau Birkenhauer. Unvergleichlich ist vor allem auch die Bibliothek, wobei eigentlich direkt das ganze Haus als Bibliothek bezeichnet werden könnte - sogar in den Schlafzimmern der beherbergten Übersetzenden geht die Bibliothek weiter. Es finden sich hier verschiedene Lexika, Wörterbücher, Enzyklopädien, Sachbücher und natürlich übersetzte Literatur in diversen Sprachen und Sprachtransfers. Frau Birkenhauer stellte uns ihre liebsten Schätze vor, und wir durften alle ein echtes Sanders Lexikon durchblättern.

Am Ende der Führung hatten wir das Glück, dass uns alle Übersetzenden, die gerade in Straelen residierten, ein wenig ihrer kostbaren Zeit schenkten und sich selbst und ihre Projekte vorstellten. Darunter waren Übersetzende ins Albanische, Polnische, Griechische und brasilianische Portugiesisch und auch eine Übersetzerin ins Deutsche. Sie erzählten spannende Geschichten aus ihrem Leben und über ihre Arbeit und machten trotz der wartenden Arbeit an teils hochkomplexen Lyrikprojekten einen entspannten und harmonischen Eindruck. Besonders fruchtbar sei die Arbeit in Straelen (neben der super Bibliothek) nämlich vor allem auch dank der menschlichen Lexika und Masterminds, mit denen man abends beim gemeinsamen Kochen oder unter dem Vorwand, ein Buch aus dem Zimmer zu benötigen, seine Herausforderungen teilen kann und mit deren Hilfe die kreativsten Lösungen entstehen.

Voraussetzung für den Aufenthalt am EÜK sind ein offizieller Übersetzungsvertrag und mindestens zwei zuvor veröffentlichte Übersetzungen, Wir jedenfalls sind nach der Exkursion super motiviert, nach abgeschlossenem Umbau des Hauses dieses Ziel zu erreichen, damit wir uns dann direkt bewerben und auch einmal an diesem wunderbaren Ort arbeiten können.


Blockseminar Übersetzungspraxis mit Katrin Segerer (06.02.-10.02.2023)

Bericht von Ellen Schwabe

Katrin Segerer hatte uns zwei Monate vor Kursbeginn eine Auswahl an Auszügen englischer und französischer Texte aus den Bereichen Jugendbuch, Belletristik, Kurzgeschichte, Comic und Fantastisches geschickt. Wir wählten je nach Sprachkombination daraus vier Texte, die wir übersetzten und im Seminar vorstellten.

Die Kursteilnehmer mit Eigenprojekten reichten außerdem ihre Entwürfe für das Verlagsanschreiben mit Exposé, Originaltext mit Übersetzungsprobe und eine Liste von fünf Verlagen ein, in deren Programm unser Übersetzungsprojekt passen könnte.

Katrin hatte die intensive Woche so strukturiert, dass jeder Tag ein weitgefächertes Programm beinhaltete:

  • Übersetzungsübungen mit Verweis auf häufige Fehler bei Rechtschreibung und Zeichensetzung (!)
  • Besprechung der Übersetzungen mit gut moderierter straffer Diskussion
  • Ein Nachmittag war dem gegenseitigen Lektorat vorbehalten, diese Übung fanden wir alle besonders hilfreich. Katrin lektorierte auch unsere Übersetzungen, die trotz intensiven eigenen Korrekturlesens noch erhebliches Verbesserungspotential aufwiesen.
  • Berufsinfos und Erfahrungsberichte, außerdem ein Überblick über Übersetzerstipendien. Interessant waren auch Katrins Auskünfte, wie unterschiedlich Übersetzer je nach Verlag an den Verkaufserlösen partizipieren.
  • Präsentation der Eigenprojekte mit Pitch-Training: wie überzeuge ich einen Verlag von meinem Projekt?
  • Immer wieder Netzwerken: dazu passte unser Besuch am Donnerstagabend beim (trotz VRR-Streik) gut besuchten Übersetzerstammtisch in der Destille.

Prädikat „besonders wertvoll“:  die Besprechung der Übersetzung des französischen Comics von Jul & Charles Pépin: 50 Nuances de Grecs mit der kreativen Herausforderung, die zahlreichen kulturellen, geschichtlichen Anspielungen und den Esprit rüberzubringen. Das gleiche galt für ein Gedicht am Ende eines Kapitels von Maria E. Andreu Love in English, bei dem sie virtuos mit kulinarischen Redensarten umgeht – wie funktioniert das dann auf Deutsch? Es gab viele großartige Vorschläge!

Vielen Dank an Katrin und an alle Teilnehmer für die guten Gespräche, auch ein großes Dankeschön an das Team im Haus der Universität für die tolle Betreuung mit Kaffee und Getränken!


Blockseminar Übersetzungspraxis mit Friederike von Criegern (13.02.-17.02.2023)

Bericht von Jana Mankau und Lena Folwarczny

Mitte Februar 2023 fand, vom 13.02. bis zum 17.02., das Blockseminar Übersetzungspraxis Englisch/Spanisch statt, leider wieder einmal nicht im Europäischen Übersetzerkollegium Straelen, das sich weiterhin im Umbau befindet. Dieses Mal aber auch nicht ausweichend im Haus der Universität: Sechs Studierende und Dr. Friederike von Criegern trafen sich in der Werft01 in Holthausen, um ganz intensiv zu übersetzen, zu lektorieren, zu schreiben und … zu schaukeln.

Im Vorfeld hatten wir bis zu zwanzig Seiten Übersetzung vorbereitet, darunter Belletristik, Science Fiction, Kinderliteratur und auch das ein oder andere Gedicht. Das klingt sportlich, bot uns aber die Möglichkeit, genauer in viele Felder der Übersetzung zu blicken. Friederike von Criegern lag jedoch nicht nur die Übersetzungs- und Lektoratsarbeit am Herzen, sondern sie machte auch den ein oder anderen kreativen Exkurs mit uns, darunter in die Black-Out-Poetry. Hierfür riss sie Seiten aus einem Sachbuch (das sie natürlich nicht mehr lesen wollte), und unsere Aufgabe war es, mit einzelnen Wörtern einen oder mehrere Sätze zu kreieren, die gar nichts mehr mit dem Text auf der Seite am Hut hatten, indem wir alles andere rausschwärzten.

Neben all der praktischen Arbeit durfte natürlich das „Plaudern aus dem Nähkästchen“ der Berufspraxis nicht fehlen, das bei uns Studierenden stets auf viel Beliebtheit trifft. So lud Friederike von Criegern die Übersetzerin Karen Gerwig ein, dem Seminar über WebEx beizutreten und uns einiges über ihren Übersetzungsalltag zu erzählen. Ein weiteres Highlight war der Besuch von Dr. Belén Santana, Übersetzungswissenschaftlerin und Literaturübersetzerin vom Deutschen ins Spanische, die uns ab Mittwochmittag besuchte, beim Block zur Lyrikübersetzung selbst teilnahm und uns im Anschluss eines ihrer letzten Projekte Annette – ein Heldinnenepos von Anne Weber vorstellte.

Dass wir diesmal nur eine ganz kleine Gruppe waren, tat dem Seminar keinen Abbruch – ganz im Gegenteil: dadurch konnten wir uns noch viel intensiver mit den Texten und Übersetzungsprojekten der einzelnen Seminarteilnehmenden auseinandersetzen. Insgesamt war das Seminar bei Friederike von Criegern eine tolle und bereichernde Erfahrung in einer schönen Location.


Blockseminar Übersetzungspraxis mit Karolin Viseneber (26.09.-30.09.2022)

Bericht von Annika Rosche

Das „Straelen“-Seminar mit Karolin Viseneber für die Sprachen Englisch und Spanisch im September 2022 im Haus der Universität in Düsseldorf war informativ und abwechslungsreich: Von kreativen Aufwärmübungen über intensive Übersetzungsarbeiten bis hin zum berühmten Nähkästchen, aus dem sie zwischendurch gerne plauderte, war alles dabei.

Während der Übersetzung und Diskussion der Texte beschäftigten wir uns mit einem Ausschnitt aus einem Kinderbuch von Pippa Curnick, mehr oder weniger formellen Sachtexten von María Hesse und Scott Hershovitz und mit Romananfängen von Tracey Lindberg und Santiago Lorenzo. So verschafften wir uns durch Brainstormings und Textanalysen einen Überblick über die Charakteristika der verschiedenen Genres und konnten jedes einzelne intensiv kennenlernen. Zudem gab es für alle Seminarteilnehmer:innen ein Feedback zu unseren Übersetzungen, sowohl direkt bei der Besprechung der Texte im Plenum, als auch einzeln, im Hinblick auf unsere Stärken und Schwächen in den unterschiedlichen Genres. Ein weiteres großes Thema war die Verlagsbewerbung. Wir besprachen einige Beispiele von Studierenden, die als Prüfungsleistung Initiativbewerbungen vorbereitet hatten und lernten dabei viel über das Verlagswesen, die Erwartungen an Literaturübersetzer:innen und die mögliche Gestaltung von Bewerbungsunterlagen.

Über das in lockerer Atmosphäre gehaltene Seminar hinaus organisierte Karolin Viseneber die Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen. So schnupperten wir Lesungsluft mit dem sehr interessanten Autor und Menschen Navid Kermani im Heine Haus und besuchten eine Vorführung des Films „Niemals Selten Manchmal Immer“ der amerikanischen Drehbuchautorin und Regisseurin Eliza Hittman, der im Anschluss für angeregte Gespräche über aktuell bestehende kulturelle Differenzen zum umstrittenen Thema der Abtreibung sorgte. Abgerundet wurde das Blockseminar mit einer Buchvorstellung der Übersetzerin Stefanie Jacobs, die ansonsten auch durch ihre Seminare zur Berufskunde unseren Masterstudiengang Literaturübersetzen bereichert, mit anschließendem Gespräch über das von ihr übersetzte Buch Matrix von Lauren Groff. In diesem Roman erfindet die Autorin der historischen Figur Marie de France eine Lebensgeschichte, denn zwar war sie die erste bekannte Schriftstellerin Frankreichs, doch ist über sie nur sehr wenig bekannt. Die besondere Herausforderung bei dieser Übersetzung liegt nicht nur darin, die Spannung der Geschichte wiederzugeben, sondern auch in der Recherche, denn es handelt sich um Geschehnisse aus dem Mittelalter.

Am Ende der Woche waren wir alle ein wenig lernerschöpft, aber sehr inspiriert und voller neuer Eindrücke. Mit jedem der Seminare füllt sich unser Handwerkskoffer etwas mehr und damit steigt auch die Motivation und die Lust auf den Einstieg in die Berufswelt.


Blockseminar Übersetzungspraxis mit Andreas Jandl (19.09.-23.09.2022)

Bericht von Lena Riebl

Auch im Herbst 2022 konnte unser „Straelen“-Seminar leider nicht in Straelen selbst stattfinden und wurde stattdessen ins Haus der Universität nach Düsseldorf verlegt. Ein Straelen-Feeling konnte unser Dozent Andreas Jandl aber trotzdem heraufbeschwören - mit einer fröhlichen Arbeitsatmosphäre, produktiven Diskussionen zu spannenden Texten und dem Netzwerken mit „echten“ Übersetzenden.

Schon im Vorfeld hatten wir uns mit der Übersetzung eines Ausschnitts von Blanc résine beschäftigt, einem Roman der Autorin Audrée Wilhelmy aus Quebec. Das Raffinierte für unser Seminar: Der Roman war bereits von Susan Ouriou ins Englische übertragen worden. So konnten einige von uns, je nach Sprachkenntnissen, das französische Original, einige von uns die englische Übersetzung ins Deutsche übertragen. Ein sehr herausfordernder Text, der dadurch aber auch viele Gelegenheiten zum Ausprobieren und zum Dazulernen bot. Der Vergleich mit der englischsprachigen Übersetzung bot zudem aufschlussreiche Einblicke in verschiedene Übersetzungsstrategien.

Auch unsere zweite große Übersetzungsaufgabe war etwas ganz Besonderes: Einen Ausschnitt aus Oscar Wildes Dorian Grey sollten wir nicht nur übersetzen, sondern gleich auch fürs Theater adaptieren und in eine Epoche unserer Wahl versetzen. Meine Kommilitoninnen und Kommilitonen setzen diese Aufgabe auf unterschiedlichste Weise kreativ um, sodass wir beim Vortragen der Dialoge einiges zu lachen hatten. Von Dorian Grey in der Romantik, in den Goldenen 20ern, im New York der 70er-Jahre bis hin zu einer von KIs und Aliens besiedelten Zukunft war alles dabei.

Besondere Highlights bot auch das von Andreas Jandl zusammengestellte Rahmenprogramm. Schon am Sonntag trafen wir uns zur imposanten Aufführung Dorian (Text: Darryl Pinckney; Regie: Robert Wilson) im Düsseldorfer Schauspielhaus und konnten am Montag den Übersetzer und Dramaturgen des Stücks Konrad Kuhn kennenlernen und mit ihm über das Stück und seine Entstehung sprechen. Außerdem verbrachten wir einen anregenden Abend mit dem Düsseldorfer Übersetzerstammtisch, der ins Haus der Universität geladen wurde.

Vielen Dank für diese bereichernde Woche!


Blockseminar Übersetzungspraxis mit Sonja Finck (20.09.-24.09.2021)

Bericht von Ruth Alvermann

Ende September 2021 versammelten sich 10 LÜ-Student:innen unter Leitung der renommierten Berufsübersetzerin Sonja Finck im Haus der Universität der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, um ihre praktischen Übersetzungsfähigkeiten zu trainieren. Aus hygienekonzepttechnischen Gründen war ein Aufenthalt im „echten“ Straelen leider noch nicht wieder möglich, doch der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Eine aufregende Premiere feierte das neue Hybridkonzept, sodass einige Studierende von zu Hause aus per Monitor teilnahmen, während andere die Gelegenheit nutzten, die Kommiliton:innen nach über drei Semestern Distanz auch einmal analog in Augenschein zu nehmen und bisher rein digital entstandene Freundschaften in den gemeinsam verbrachten Pausen zu festigen. Sonja Finck vermittelte ungeachtet der ungewohnten Bedingungen und diskreten technischen Herausforderungen (damit alle Präsenzteilnehmenden bei Wortmeldungen auch für die Distanzlerner:innen zu verstehen waren, bedurfte es etwa einer ausgefeilten Mikrofon-Logistik …) viele höchst interessante Einblicke in ihr Können und schulte die Nachwuchsübersetzer:innen nach Kräften in Stilsicherheit, Rhythmus, kreativer Text(un)treue, filmischer Szenenimagination, Pitch-Enthusiasmus und weiteren unerlässlichen Übersetzungsfähigkeiten, was begeistert aufgenommen wurde.

Highlight der Woche war der Lesungsabend im Institut français Düsseldorf im Rahmen der Reihe „Im Herzen der Gewalt“, zu dem die Studierenden Sonja Finck bei der Vorstellung ihrer Annie Ernaux-Übersetzungen begleiten und sogar selbst bei der Abendgestaltung mitwirken durften. Dem interessierten Fachpublikum wurden so brandaktuelle Ergebnisse aus der Seminararbeit präsentiert, bevor der Abend bei einem höchst geselligen Restaurantbesuch entspannt ausklang.

Insgesamt war das Blockseminar für alle eine einzigartig bereichernde und prägende Erfahrung voll neuer Motivation und Inspiration für die weitere Übersetzungstätigkeit. Zu kritisieren bleibt höchstens, dass eine Woche eigentlich viel zu kurz ist!


Blockseminar Übersetzungspraxis mit Dr. Friederike von Criegern (27.08.-01.10.2021)

Bericht von Leslie Fried

"Unter dem inoffiziellen Motto „Straelen in Düsseldorf“ konnten wir als Studentinnen des Masterstudiengangs Literaturübersetzen zwar nicht in Straelen selbst, aber zumindest – im Gegensatz zu den vorhergehenden Semestern – in Präsenz zusammenkommen. Nach eineinhalb Jahren Studium unter Pandemiebedingungen war es schon etwas Besonderes, die Kommilitoninnen und Dozentinnen nicht nur als Kachel auf dem eigenen Laptopbildschirm zu sehen, sondern sie persönlich kennenzulernen und gemeinsam Kaffeepause machen zu können.

Im Haus der Heinrich-Heine-Universität beschäftigten wir uns intensiv mit der Übersetzung von Texten verschiedener Genres. Das Thema Lyrikübersetzung spielte in dieser Woche eine wichtige Rolle: Dank des Besuchs und der Lesung der Übersetzerin Ruth Löbner, die u.a. die Gedichte von Marieke Lucas Rijneveld, der Booker-Prize-Gewinnerin 2020, ins Deutsche übersetzt und uns ihre Interlinearversionen dieser Gedichte zeigte, erhielten wir einen Einblick in die Arbeitsweise einer professionellen Übersetzerin. Gleichzeitig arbeiteten wir intensiv in Kleingruppen an unseren eigenen Übersetzungen lyrischer Texte, die aufgrund der dichten Sprache und der Bedeutung stilistischer Mittel besondere Herausforderungen an Übersetzer*innen stellen.

Friederike von Criegern, die das Seminar leitete, war in ihrem Feedback stets ehrlich und konstruktiv und während zahlreicher Unterhaltungen mit ihr und den anderen Literaturübersetzerinnen, die das Seminar besuchten – neben Ruth Löbner sprachen wir auch mit Karen Gerwig, die online zugeschaltet wurde –, ging es auch um Themen wie Bezahlung, die Relevanz des Netzwerkens, Solidarität unter Übersetzer*innen; kurz, um die ganz praktischen Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Berufsfeld stellen: Wie bekomme ich einen Auftrag? Wie schaffe ich es, vom Übersetzen zu leben? Wie vereinbar sind dabei Beruf und Familie? Immer wieder wurde deutlich, wie wichtig die engen Bande zwischen Übersetzer*innen sind.

Nach dem einwöchigen Seminar fühle sicher nicht nur ich mich so, als wäre der Schritt zum professionellen Übersetzen zwar nicht unbedingt einfach, aber doch zumindest machbar, und als wäre das Klischee der einsam vor sich hinschreibenden Übersetzerin vielleicht wirklich nur das: ein Klischee."


Impressionen aus dem EÜK Straelen im Frühjahr 2020

Bericht von Sabrina Melcher

"Der Aufenthalt in Straelen gestaltete sich als runde und ergiebige Angelegenheit. Erst einmal in fachlicher Hinsicht: die intensive Gruppenarbeit unter Anleitung einer erfahrenen Berufsübersetzerin lebte vom engagierten Austausch zwischen den Seminarteilnehmer:innen und dem durchaus kritischen, aber stets hilfreichen Feedback der Leiterin. Zur Diskussion standen die von den Studierenden angefertigten Übersetzungen von Prosatexten verschiedenster (Bestseller-) Autoren und Genres, sowie das Bewerben bei Verlagen als Übersetzer:in mit eigenen Textvorschlägen. Dabei bekamen wir Studierende viele Tipps für den Einstieg in die Buchbranche und für das Leben in Selbstständigkeit im Allgemeinen.

Ferner herrschte im ganzen Kolleg eine warme, gesellige Atmosphäre, welche sich im Rahmen einer Lesung mit den residierenden Übersetzer:innen, die aktuelle Projekte präsentierten und sich beim anschließenden Abendessen unseren Fragen stellten, noch verstärkte. Ebenso der Besuch des wöchentlichen Übersetzungs-Stammtischs  und  das gemeinsame Einkaufen und Kochen mit den Kommiliton:innen sorgten für ein gutes Miteinander. Alles in allem fühlte ich mich in dem Haus, das so viel fachlichen und menschlichen Input bereithielt, sehr wohl und würde in Zukunft gern einmal dort als professionelle Übersetzerin beherbergt werden."


Weitere Berichte von Studierenden folgen.

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